Baden-Württemberg, JVA Ravensburg Vorwürfe gegen Vollzugsbedienstete der JVA Ravensburg

Uns sind Vorfälle betreffend die JVA Ravensburg bekannt geworden, die so erheblich sind, das wir darüber berichten wollen. Demnach soll dich folgendes zugetragen haben: Ein heranwachsender Inhaftierter der JVA bat die JVA um einen Telefonanruf, weil ein sehr naher Angehöriger im Sterben lag. Dieses wurde ihm von der JVA allerdings verwehrt. Der Inhaftierte besorgte sich deswegen -unbefugt- ein Mobiltelefon von einem Mitgefangenen, um diesen Anruf führen zu können. Das Mobiltelefon wollte er im Anschluss in der Rufanlage verstecken. Dieses führte zu einem Alarm und die Bediensteten durchsuchten den Haftraum, wo das Mobiltelefon gefunden werden konnte. Im Zuge dieser Maßnahme sollen die Bediensteten den Inhaftierten provoziert haben. Nach seinen glaubhaften Angaben sollen die Bediensteten nur darauf gewartet haben. Schlussendlich kam es zu einer Anwendung von unmittelbarem Zwang gegen den Gefangenen. Bei der dann erfolgten –mit einer Entkleidung verbundenen- Durchsuchung soll entgegen aller Vorschriften eine weibliche Bedienstete zugegen gewesen sein. Die JVA erstattete Strafanzeige gegen den Gefangenen wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Inzwischen liegt deswegen auch eine Anklage vor. Die Hauptverhandlung soll am 12.09.2018 vor dem Amtsgericht Ravensburg stattfinden und wird von uns sehr kritisch beobachtet werden. Eine Verfolgung wegen Beleidigung wird sich aus unserer Sicht nicht aufrechterhalten lassen, da die Strafanzeige erst nach mehr als drei Monaten erfolgt ist.

Deswegen dürfte ein Verfahrenshindernis bestehen. Aufgrund eines weiteren Vorfalls, der im Grunde nachvollziehbar bestritten wird, wurde der Gefangene aus einer laufenden Ausbildung genommen und steht faktisch ohne Perspektive nach seiner Haftentlassung dar. Aus unserer Sicht hat die JVA auch hier mehr als unverhältnismäßg gehandelt. Wir haben die JVA um eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen gebeten und werden den Fall weiter beobachten.


Zusatz:

Der Prozess hat stattgefunden und der Betroffene wurde zu einer Geldstrafe von 1.500,- € verurteilt. Das Gericht hat der beteiligten JVA jedoch auch kritische Vorwürfe gemacht.

    Kommentare 1

    • Wie kann man jemanden seine Ausbildung verwehren, ich denke das soll im Vordergrund stehen.Abstrafen hätte man auch anders hinbekommen :(
      Eine Entkleidung vor weiblichen Beamte löst eine Art Scham aus und ist wohl psychologisch nachtragend für die Häftlingen, welche solche Maßnahmen erfahren müssen.
      Diese JVA sollte mal sehr unter die Lupe genommen werden, hier ist das Internet voll von negativen Schlagzeilen.
      Hier sollte sich mal das Justizministerium einschalten !!!

    Hauptsache weggesperrt.


    Die Situation der Gefangenen in Deutschland bleibt weitgehend unbeobachtet. Das Strafvollzugssystem ist ein in sich geschlossenes System, dass allenfalls Aufmerksamkeit findet, wenn gravierende Vorfälle geschehen. PrisonWatch durchbricht diese Schranken, indem auf die Situation der Gefangenen aufmerksam gemacht wird. In ausführlichen Berichten wird die Situation des Strafvollzuges dargestellt und ergangene Rechtsprechung besprochen und kommentiert.