Nordrhein-Westfalen, JVA Münster, Geiselnahme in JVA Münster-PrisonWatch kritisiert Polizeieinsatz und reicht Strafanzeige wegen der Tötung des Inhaftierten gegen die beteiligten Polizeibeamten ein

In der JVA Münster ereignete sich am 16.10.2020 eine Geiselnahme (PrisonWatch berichtete), die mit einem gewaltsamen Einsatz der Polizei und dem Tode des Inhaftierten endete. Die Polizei ordnete den Einsatz bereits nach nur etwa zweistündigen Verhandlungsversuchen mit dem Inhaftierten an, der einen Hubschrauber forderte. Prison Watch kritisiert den Einsatz und hat aufgrund der Unklarheiten und der Begleitumstände des Einsatzes Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Münster gegen die beteiligten Polizeibeamten eingereicht, damit die Umstände des Falles aufgeklärt werden. Aus unserer Sicht scheint die Einsatzleitung nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, woraus sich bereits ein Anfangsverdacht begründet. PrisonWatch verkennt nicht, dass hier eine Justizvollzugsbeamtin massiv bedroht worden ist, deren Leben in jeden Fall geschützt werden musste. Jedoch hat die Polizei auch die Pflicht, das Leben des Inhaftierten zu schützen. Ob die Polizei hier eine ausreichende Abwägung vorgenommen hat, wird nun die Staatsanwaltschaft aufzuklären und zu bewerten haben.

    Hauptsache weggesperrt.


    Die Situation der Gefangenen in Deutschland bleibt weitgehend unbeobachtet. Das Strafvollzugssystem ist ein in sich geschlossenes System, dass allenfalls Aufmerksamkeit findet, wenn gravierende Vorfälle geschehen. PrisonWatch durchbricht diese Schranken, indem auf die Situation der Gefangenen aufmerksam gemacht wird. In ausführlichen Berichten wird die Situation des Strafvollzuges dargestellt und ergangene Rechtsprechung besprochen und kommentiert.