Thüringen Deutliches Plus von Ersatzfreiheitsstrafen

Die Zahl der Gefangenen, die ins Gefängnis müssen, weil sie eine Geldstrafe nicht zahlen, ist deutlich gestiegen. So gab es 2017 rund 1.200 sog. Ersatzfreiheitsstrafen. Im Vergleich zu 2010 sei dies ein Anstieg von 20%. Typische Vergehen dafür sind Schwarzfahren, Drogen in den Taschen oder Ladendiebstahl. Die durchschnittliche Haftdauer betrage 17 Tage. Justizminister Lauinger kritisierte das System als unsinnig. Er sagte gegenüber MDR AKTUELL, darüber seien sich die Justizminister aller Länder einig. Er plädierte für Arbeit anstatt Gefängnisstrafen. Anmerkung von PrisonWatch: Seit vielen Jahren findet die Diskussion darüber statt und allen ist bewusst, dass diese Strafen wenig Sinn haben. Zudem kosten sie nicht nur Geld, sie belasten die Justiz enorm. Diese Gefangenen beanspruchen viel Arbeitszeit des Personals, dieses geht letztlich zu Lasten der sonstigen Strafgefangenen, deren Behandlung erheblich darunter leidet. Deswegen plädiert auch PrisonWatch schon lange für die Abschaffung der Ersatzfreiheitsstrafen.

    Hauptsache weggesperrt.


    Die Situation der Gefangenen in Deutschland bleibt weitgehend unbeobachtet. Das Strafvollzugssystem ist ein in sich geschlossenes System, dass allenfalls Aufmerksamkeit findet, wenn gravierende Vorfälle geschehen. PrisonWatch durchbricht diese Schranken, indem auf die Situation der Gefangenen aufmerksam gemacht wird. In ausführlichen Berichten wird die Situation des Strafvollzuges dargestellt und ergangene Rechtsprechung besprochen und kommentiert.