Bayern, Strafvollzug 2017 gab es 14 Suizide in Bayerns Gefängissen

2017 haben sich in Bayerns Gefängnissen 14 Gefangene das Leben genommen. Die Hälfte davon erhängten sich in den ersten Wochen oder Monaten der Haft, wie aus einer Antwort auf eine SPD – Anfrage hervorgeht. 2016 zählte das Justizministerium 12 Suizide, 2015 waren es 15 und im Jahr 2014 waren es 10. Die SPD forderte, Gefangene besonders am Anfang der Haft intensiv zu beobachten. Neben psychiatrischer Betreuung brauche es Konzepte zur Suizidprävention und regelmäßige Schulungen der Vollzugsbediensteten um Krisensituationen zu erkennen.

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    • Gefühl der Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht

      "Das Risiko, durch Suizid zu sterben, ist für einen Gefangenen um ein Vielfaches höher als für einen freien Menschen", schreibt die Psychologin Katharina Bennefeld-Kersten in einer Studie von 2005, für die sie knapp 500 Selbsttötungen untersucht hat. Das liege einerseits an der Klientel, die schon eine Suchtgefährdung oder geringe soziale Integration mitbringt. Zum anderen gebe es im Gefängnis viel weniger ungeklärte Fälle als draußen: Todesarten wie Ertrinken oder tiefe Stürze scheiden schon allein wegen der örtlichen Gegebenheiten nahezu aus.

      Ein weiterer Aspekt ist das Umfeld selbst, das oft mit einem Gefühl der Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht einhergeht. Am schwersten ist die erste Zeit: Laut der Studie von Bennefeld-Kersten geschieht fast jeder zweite Suizid in den ersten drei Monaten nach der Inhaftierung. Mit jeder Woche, die vergeht, sinkt die Suizidgefährdung. Fachleute sprechen deshalb auch vom Inhaftierungsschock. "Die Häftlinge werden herausgerissen aus ihrem gewohnten Umfeld. Ihre neue Umwelt empfinden sie als latent bedrohlich - und kommen dadurch auf Ideen, die sie sonst vielleicht nicht hätten", sagt Alexander Schmid, der Landesvorsitzende desBundes der Strafvollzugsbediensteten. "Die Inhaftierung ist eine Situation, die Suizidalität hervorrufen oder steigern kann", heißt es auch in einem Papier, mit dem die Beamten in den Justizvollzugsanstalten im Land arbeiten.
    • Der Knast macht krank

      Etwa 200.000 Häftlinge leben in deutschen Gefängnissen. Viele von ihnen sind bereits krank oder leiden an Süchten, wenn sie inhaftiert werden. Andere erkranken während der Haft. In Vollzugsanstalten verbreiten sich einige Krankheiten besonders schnell: HIV, Tuberkulose und Hepatitis kommen bei Gefangenen häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt, die Selbstmordrate ist etwa fünfmal so hoch. Viele Insassen haben psychische Krankheiten und leiden unter seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt durch Mitgefangene oder Wärter. Forscher untersuchen, wie sie die gesundheitliche Situation in Gefängnissen verbessern können.

      "Kein Wunder", wenn viele keinen anderen Ausweg mehr sehen!

    Hauptsache weggesperrt.


    Die Situation der Gefangenen in Deutschland bleibt weitgehend unbeobachtet. Das Strafvollzugssystem ist ein in sich geschlossenes System, dass allenfalls Aufmerksamkeit findet, wenn gravierende Vorfälle geschehen. PrisonWatch durchbricht diese Schranken, indem auf die Situation der Gefangenen aufmerksam gemacht wird. In ausführlichen Berichten wird die Situation des Strafvollzuges dargestellt und ergangene Rechtsprechung besprochen und kommentiert.