Bayern, Strafvollzug, Gefangene freiwillig länger hinter Gittern

In Bayern haben sich 2018 sechs ehemalige Gefangene freiwillig weiter einsperren lassen. Zwei von ihnen seien nach ihrer Haftentlassung um einen weiteren Tag freiwillig hinter Gitter geblieben, erklärte das Justizministerium in München. Ein Weiterer sei hingegen für über sechs Monate freiwillig ins Gefängnis zurückgekehrt. Seit 2008 können sich Ex-Häftlinge weiter „betreuen“ lassen, um ihre Resozialisierung besser voranzutreiben. Dieses gilt u. a. für Jugendstrafgefangene, Sexualstraftäter und Sicherungsverwahrte.

Anmerkung PrisonWatch: Es ist mehr als beschämend, den weiteren freiwilligen Aufenthalt im Gefängnis als Betreuung und als vorantreiben der Resozialisierung zu bezeichnen. Würde die Justiz ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen, wären derartige freiwillige Aufenthalte mit Sicherheit nicht nötig. Doch wenn Gefangene, wie bislang in sehr vielen Fällen, völlig unvorbereitet und oftmals ohne Unterkunft entlassen werden sollen, ist es schon so wie, das sie sogar freiwillig länger in Haft bleiben. Mehr Zynismus geht einfach nicht!

    Kommentare 2

    • einfach nur traurig!

      Lockerungen oder gar OV sind in Bayern fast nicht vorgesehen. Schon während der Haft gibt es weder die Möglichkeit zu Telefonieren ( Notfälle ausgenommen, aber die JVA entscheidet was ein Notfall ist. Tod der Oma? Nein, schreiben sie einen Brief...) , noch LZB - die Mindestbesuchszeit von einer Stunde wird, z.B. in München, auch nur selten überschritten...

      Wie soll Resozialisierung denn gelingen, wenn schon die wichtigen sozialen Bindungen seitens der Justiz so einschneidend eingeschränkt und unterbunden werden. ( Trennscheibe mit der Begründung: Ist halt so! )

      Mal davon ab, einige Gemeinden, die von der ansässigen JVA sicherlich profitieren, "verlangen", dass die Inhaftierten ( vor allem der diversen Sotha Abteilungen ) bei Ausführungen/Ausgängen keinesfalls in ihrer Ortschaft verweilen!
      Da fühlt man sich doch herzlich willkommen!
    • Das ist allerdings zynisch! Die Vorbereitung auf die Zeit nach der Haft ist ein sehr brisantes Thema, gerade und vor allem bei Langzeithäftlingen. Schließlich geht unsere schnelllebigen Gesellschaft mit rasanten Schritten voran und die Veränderungen sind mehr als gravierend, wenn man einige Jahre verpasst hat.

      Es müsste eine Art von Auffangnetzwerk geben, um ehemalige Häftlinge behutsam und ohne vollständige Überforderung an die Gesellschaft wieder heranzuführen und Stückweise wieder einzugliedern.
      Da wäre natürlich eine Vorbereitungsphase in Form von Lockerungen mehr als sinnvoll!!

      Nur wegsperren und anschließend ohne entsprechende Vorbereitung und Unterstützung wieder laufen lassen, löst keine Probleme sondern schafft viele neue.

      Das Gefängnis an sich dient der Bevölkerung als Symbol für Sicherheit sowie für Recht & Ordnung, in Form von die "Bösen" sind da drin und die "Guten" sind frei. Dieses Symbol ist seit Jahrhunderten in uns verankert und wohl ein Grundpfeiler zur Unterscheidung von Gut & Böse und damit erfüllt das Gefängnis sein gesellschaftliche Pflicht.

      Die tatsächliche Resozialisierung fällt nicht in den Fokus der Gesellschaft und hier kann Augenwischerei betrieben werden. Nur den wenigsten ist wohl bewusst, dass nach der Haftzeit die eigentliche Arbeit erst beginnen würde, um weitere Straftaten zu verhindern.

      Hier müsste ein gravierendes Umdenken statt finden!!

    Hauptsache weggesperrt.


    Die Situation der Gefangenen in Deutschland bleibt weitgehend unbeobachtet. Das Strafvollzugssystem ist ein in sich geschlossenes System, dass allenfalls Aufmerksamkeit findet, wenn gravierende Vorfälle geschehen. PrisonWatch durchbricht diese Schranken, indem auf die Situation der Gefangenen aufmerksam gemacht wird. In ausführlichen Berichten wird die Situation des Strafvollzuges dargestellt und ergangene Rechtsprechung besprochen und kommentiert.